Start der Etappe in Talampaya - bis zur Ankunft in Bolivien.
Reiseabschnitt vom 21.02.2010 bis zum 04.07.2010Start der Etappe in Talampaya - bis zur Ankunft in Bolivien.
22.02.2010
Wir würden uns schon gerne allein im Park Talampaya bewegen. Einfach mehr Zeit haben und nicht im Rudel durchgeschleust werden. Es geht grundsätzlich nicht! Auch mit dem Fahrrad wird man nicht allein losgelassen. Im nach hinein muss ich sagen – war auch gut so, denn das wäre eine Schlacht im Sand geworden.
Wir buchen die Tour “Canon de Talampaya“. Es ist die zweite Tour an diesem Morgen, denn auch dieser Tag verspricht heiß zu werden. Die Fahrt wird mit Kleinbussen durchgeführt. Alle Erklärungen erfolgen in Spanisch und auch sämtliches Infomaterial ist in Spanisch. Schilder in „La Puerta“ sind in Englisch. Unsere Rangerin scheint gut informiert und hat Fragen ausreichend beantwortet. Vier Punkte werden angesteuert:
„La Puerta (die Tür)“: Prähistorische Gravuren auf meist dunklen Sandsteinoberflächen, die ungeschützt unter freiem Himmel liegen. Sie entstanden zwischen 1180 – 120 v. Chr. Die Ureinwohner
lebten in Abris (Felsüberhängen) und Höhlen, legten Vorratslager und Gärten an. Ihre Gravuren erzählen von ihrem Leben, aber auch Abstraktes ist dargestellt. Vieles bleibt im Dunkeln: Rätselhaft zum Beispiel der Stein mit den vielen Löchern. Ähnliches sahen wir schon im Valle Encanto in Chile. Die Ergebnisse der Ausgrabungen sind leider nicht vor Ort. Sie befinden sich in La Rioja.
„Jardin Botanico (botanischer Garten)“: Üppiger Pflanzenwuchs – Bäume und Sträucher bilden eine grüne Oase. Dies ist möglich, weil sich das Wasser nur 3 m unter der Erdoberfläche befindet und für die Wurzeln der Pflanzen erreichbar ist. Vor den ständigen Winden schützen die hohen Felswände. Der älteste Baum ist ein Algarrobobaum mit 300 Jahren. Papageien toben in den roten Felswänden. Ihre Bruthöhlen befinden sich ebenfalls dort. Die Felswände sind Echowände.
Bis zu 4 Mal wird ein Ton reflektiert.
Einige Pflanzen:
Tulisquin, Grabowskia obtusa Pus Pus, Zuccagnia punctata
Unter einem kleinem Abris….
Die nächsten beiden Haltestellen sind imposante Felsformationen:
„El Monje (der Mönch)“
Der Symbolstein der Pacha Mama
Maras: Immer paarweise. 3-4 Junge bis zu 3x im Jahr. Das ist abhängig von den Umweltbedingungen. Maras sind mit dem Chinchilla verwandt.
„La Catedral Gotica“
Die Tierwelt u.a.: Mara, Kondor, Adler, Papageien, Fuchs, Suri (Nandu), Guanako...
Gesehen haben wir: Maras und einen Fuchs, Geier und eine Schlangenspur im Sand Auf die Bemerkung: „Schau mal eine Schlange“, kam Bewegung in die Damenwelt!
Talampaya – einige Grundinformationen: Talampaya bedeutet: Trockener Fluss des Tala. Flüsse haben in dieser Gegend nur Wasser während der gelegentlichen Regenfälle im Sommer, sonst nicht. Das Wasser versickert rasch. An den Algarrobobäumchen kann man aber sehen, wie hoch es sein kann und wo es entlang fließt – es kann richtig viel sein und die Strömung ist heftig. Während der restlichen Tage des Jahres liegen die Fluss- und Bachläufe trocken und werden als Fahrwege für die Tourbusse benützt. Die meisten Besucher verzeichnet der Park im Frühjahr, Herbst und Winter der Südhalbkugel. Die niedrigsten Temperaturen herrschen von Mai bis Oktober, also auch mal 0° C oder darunter. Im Sommer erreichen die Temperaturen zum Teil 40° C und mehr. Die Geburt Talampayas / Ischigualstos ist im Mesozoikum vor ca. 245 Mill. Jahren. Das Mesozoikum wird in drei Abschnitte unterteilt: Trias, Jura und Kreide. Interessant ist für uns die Triaszeit. Die Erde ist heiß und ohne Eiskappen an den Polen. Die Erdmasse bildet den Urkontinent Pangäa. Dieser Urkontinent teilt sich in Laurasia (Nordamerika und Eurasien) und Gondwanaland (Südamerika und Afrika). Während dieses Prozesses bilden sich ausgedehnte Täler entlang der Bruchstellen der Erde. Eines dieser Täler, das damals entstand ist heute das Becken von Talampaya – Ischigualasto. Wind und Wasser haben im Laufe von Jahrmillionen den rötlichen (Rost!) Sandstein geformt.
Paul hat in seinem Plan die Cuesta de la Miranda notiert. Also – auf geht’s. Der Tag ist noch nicht zu Ende. Wie üblich fahren Hubers mal wieder eine Abkürzung.
Ab Panacilla scharf rechts auf ins Gelände. Der kleine Streuort mit einstöckigen Lehmhäusern duckt sich unter schattenspendenden Bäumen, Büschen und Lauben. Es ist Siestazeit und heiß.
Kakteen verpassen unaufmerksamen Geländeläufern Fakirgefühle. Paul meint bloß, als ich mich ins Gelände aufmache: “Schlangen, pass auf, wo du hintrittst“! Recht hat er – es leben hier Klapperschlangen und Korallenschlangen. Bei beiden steht der Mensch nicht auf dem Speisezettel, aber sie lieben es absolut nicht, wenn man ihnen auf die Schwänze tritt – auch nicht aus Versehen.
Die ersten Kandelaberkakteen tauchen im Gelände auf. Felsen wieder rostrot, manche geschichtet wie Omeletts mit roter Tomatensauce und Oregano bestreut. Häuser, rot wie ihre Umgebung, gelegentlich kleine Gärten. Es staubt rot. Könnte es so auch in Australien sein?
Die Straße wird zur Piste und windet sich in die Berge hoch. Der Mirador ist wie für uns geschaffen. Das war’s für heute – gemeinsamer Beschluss. An den Heiligenschreinen stört nur der ewige Müll. Kann mir mal jemand erklären, wozu die eingesperrten Gipsfiguren alte Liegestühle, Plastikflaschen, gefüllte Mülltüten und ähnliches brauchen?
Wir sind nicht lange allein. Pablo und Carina warten auf den Bus, der zwei Mal pro Tag hier hält. Zum Glück spricht Pablo Englisch und damit ist die Unterhaltung nicht ganz so anstrengend. Wir tauschen Höflichkeiten aus, aber auch Informationen über die Gegend, zum Beispiel den Interessenskonflikt zwischen Minenbesitzern und den Besitzern der großen Weingüter. Es geht um Wasser – sauberes Wasser und die Bergkette der Famatina ist das einzige Wasserreservoir für beide. Die höchsten Gipfel haben das ganze Jahr Schnee und versorgen die Täler mit Wasser. Pablo und Carina sind „Tote Hosen“ Fans, waren beim Konzert der Band in Buenos Aires und lieben Warsteiner Bier. Pablo schwärmt von Chilecito, der nächst größeren Stadt. Einwandfreie WiFi Möglichkeiten und Internetempfang. Können wir brauchen! Endlich kommt der Bus und wir haben endlich Feierabend. Die Ruhe „erschlägt“ uns jetzt.
In der Finca „La Esperanza“ oben am Berg geht der alte Mann um sein Haus. „Der lebt da ganz allein“, hat uns Pablo berichtet. Gelegentlich halten Autos, ein kurzer Blick ins Land, ein kurzes Bekreuzigen und Berühren der Gips- und Pappkameraden und weg sind sie wieder.
Gegen Abend wälzen sich Wolken über die Berge. Ein Nektarsammler macht Pause auf dem roten Wimpel am ersten Heiligenhäuschen und wir fahren die Treppe ein.
23.02.2010
In der Nacht hat es angefangen zu nieseln und der Blick aus dem Fenster: Alles zu, die Geräusche gedämpft. Die Autos schlappen über die leicht aufgeweichte Piste und wir legen einen Arbeitstag ein, der damit beginnt, dass wir uns noch mal umdrehen und das Frühstück verschieben. Gegen viel später wirft sich Paul unters Auto und quetscht in 35 Schmiernippel blaues Fett.
Der alte Mann lebt nicht allein auf dem Berg: Mindestens zwei Pferde sind auch noch dort oben und sein Hund hat tiefe Tapsen rund ums Auto hinterlassen.
|
|
|
| Seite 1 von 22 |