Phase3

Mit dem Wohnmobil unterwegs

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Home Reisetagebuch Südamerika 2) Buenos Aires - Punta Ninfas

Reiseabschnitt vom 15.08.2008 bis zum 23.09.2008

Start der Etappe am Hafen von Buenos Aires bis zur Ankunft in Punta Ninfas.

 

15.08.2008

 „Guten Morgen! Das Wetter wird schlechter bis Sonntag". Der Mann in der kleinen Parkanlage vor dem Hafen in San Clemente nickt freundlich und harkt weiter.

„Es ist doch herrlich draußen. Frühling! Überall pfeift es und zwitschert es". Unsere Hundewache ist weg. „Wohin zuerst? Leuchtturm, Punta Rasa, Termas Marinas"? „Richtung Termas". Schlage ich vor. Nach dem Frühstück fahren wir ein Stückchen in den Ort hinein. Kaufen an einem Miniladen noch ein paar Kleinigkeiten (Man kriegt hier eigentlich fast alles!). Breite Sandstraßen führen durchs Gelände. „Fahren sich gut, aber wir sollten Luft aus den Reifen nehmen. 5,5 bar reichen sicher locker". Meint Paul. Wir erreichen eine kleine Marina mit, hübscher Anlage, um einen ruhigen Tag zu verbringen. „Herrlich, diese Ruhe"! 4 Pesos kostet der Tag, aber wir wollten zu den Termas.

Wir lassen Luft aus den Reifen und als der Mann von der Marina kommt, um die Parkplatzgebühren zu kassieren frage ich: „Wo sind die Termas"? „Die Straße zurück und an der Abzweigung links". Wir haben erstmal 4 Pesos gespart und fahren zu den Termas.  „Das war eine kluge Frage!". Paul grinst. „Diese Frage auf Spanisch war leichter als eine lange Erklärung". Der Eintritt für die Termas beträgt 32 Pesos pro Person und Tag. Eine große Anlage, wie es scheint. „Hast Du Lust zum Baden"? „Nö, eigentlich nicht. Stehenbleiben über Nacht geht auch nicht. Ich habe gefragt". „Punta Rasa"?

 

 

Wir fahren zur Abzweigung „Punta Rasa" zurück. Wie überall hier sieht die Sandpiste gut aus. Die Leute fahren  recht flott mit ihren normalen PKWs. „Das ist ein Naturschutzgebiet. Wollen wir wandern"? „Dir macht mal wieder das Schild am Eingang Angst, stimmt's"! Paul hat mich durchschaut. „Tidenkalender, Auto im Wasser…":. Wir parken am Rand und machen uns auf den Weg. „Wie weit"? „Na, so 5-6 km bis zum Meer".

 

 

 

 „Pampagras soweit das Auge reicht und sonst – na, ich würde sagen Camargue ohne weiße Pferde, aber Meerschweinchen?

 

 

 

 

 

Jedenfalls sind es keine Ratten, denn die hätten Schwänze". Es wird langsam immer nebliger. Wir erreichen das Meer. „Waaahnsinn"!

 

 

 

 

 

Strand soweit das Auge reicht. Wir sind allein hier draußen. „Komm bloß nicht auf den Gedanken all das Zeug mitzunehmen"! sagt Paul, als er mich mit der Nase schon wieder am Boden erwischt. „Wir haben keinen Platz im Auto"!

 

 

 

 

Haieierreste, Seeschnecken, Federn….die reinste Fundgrube hier! „Die Straße hier raus ist nicht schlechter, als die anderen bisher".  „Vielleicht bei Hochwasser die Brücken über die Wasserläufe"? versuche ich zu argumentieren. „Wir haben kein Hochwasser"! „O k". „Den Strand laufe ich jetzt aber nicht bis zum Punta Rasa! Der Nebel wird dichter und ich sehe kaum noch die Dünen". „Angsthase"! Paul knufft mich. Wir machen einen weiten Bogen und gehen langsam zurück.

„Schlafplatz"? Wir fahren zurück zur kleinen Marina. „Öffnungszeiten von 9 – 21 Uhr. War das Schild heute Morgen auch schon da? Lass uns hier vor der Marina parken". „Ich gehe fragen, ob es in Ordnung ist, ja"! Sorgfältig lege ich meine Sätze zurecht. Ich finde jemanden im Bootsschuppen und frage. Er versteht mich! Und bringt mich zu dem Herrn von heute morgen. „Wie geht's"? Er gibt mir die Hand und sagt:„Kommt hier rein. Es ist sicher hier drin." Und „Braucht ihr irgendwas"! Mein Spanisch erreicht schnell seine Grenzen! Zuviel, zu schnell und viel zu lange Sätze. „Wo kommt ihr her? Was ist das für ein Auto? Wie seid ihr nach Argentinien gekommen"? Gut, das kann ich beantworten.

Nach dem Abendspaziergang treffen wir einen der drei Fischer, die am Strand geangelt haben.

 

 

 

 

 

Er schneidet Grünzeug ab und sammelt es in einem Eimer. "Kann man das essen"? frage ich. Er nickt. „So etwas ähnliches wie wilder Spinat und dazu Fische für fünf Personen". Er öffnet die Tüte. Ich wünsche ihm guten Appetit! Wir schlafen himmlisch und wissen jetzt was Küstennebel ist. Nix zu sehen, aber wirklich nix! Sogar die Vögel sitzen unten. Wattewetter - und wir haben beschlossen noch einen Tag zu bleiben.

 

16.08.2008

„Ich glaube, ich erhole mich erst jetzt richtig von der Reise auf dem Frachter"! sagt Paul beim Frühstück. „Kein Dieselgestank mehr, kein Krach mehr von der ständig laufenden Maschine, unser gewohntes Essen – es ist genial"! „Mmh, und ein leichter Muskelkater in den Beinen von gestern. Endlich wieder fast normale Zustände. Hier sind mehr Tiere zu sehen, als im Naturschutzgebiet. Ich habe bloß keine Ahnung wie sie heißen. Also da wären: Spatzenähnliche, amselähnliche, taubenähnliche, Quatschvögelchen in grün mit krummen Schnäbeln, Schimpfevögel mit Schopf, die meist auf einem Bein stehen und jeden Wachhund ersetzen und drei Eulen - definitiv Eulen, die 30m weiter auf einem alten Autoreifen sitzen und gelegentlich herüber schauen.

In der Reifenmitte haben sie eine Erdhöhle übernommen. Ich glaube nicht, dass sie die selber gegraben haben. Möwen, Stelzvögel und Reiher unten am Strand und Kormorane auf der Sandbank".

 Wir igeln uns ein und arbeiten. „Möchtest Du nicht mal ein bisschen rausgehen"? fragt Paul. „Eher nicht. Da muss ich Konversation machen und dass mit dem miesen Spanisch". Wir arbeiten ziemlich besessen an der Internetseite. Irgendwann sind wir dann doch draußen. Es ist Wochenende und trotz gemäßigtem Wetter sind Leute bei ihren Booten, grillen und machen Picknick. Fünf Jungs spielen sehr guten Fußball und die Eulen verlassen notgedrungen ihren Autoreifen neben dem Fußballplatz. Ein argentinisches Wohnmobil kommt mit Quad und stellt sich hinten an die Hecke. Zuerst einmal bezahlen wir unsere Stellplatzgebühr: 2 Tage und 2 Nächte für 16 Pesos (ca. 3,50€). Die Dame am Schalter freut sich und ist sehr gesprächsfreudig. Ob es uns gefällt und wo wir herkommen und wie es uns geht…Na, damit komme ich eigentlich klar, wenn da nicht wieder die langen Sätze und die Geschwindigkeit wäre. Ich kapituliere, lächle, hebe die Schultern – das wirkt. Noch mal und siehe da, es geht doch! „Si, es un luego lindo y tranquillo. Manejamos manana." Auch mit den beiden Männern hinten am argentinischen Womo kommen wir ins Gespräch. Fast gleichen Inhalts – wir wiederholen und lernen. „Das ist ein Mercedes, aber der Aufbau? Habt ihr schon Mate, den richtigen natürlich, probiert? Wie gefällt Euch Argentinien? Gibt es in Deutschland viele Einwanderer aus Afrika? Ein schöner Platz hier, nicht wahr? Wie uns Buenos Aires gefallen hat"? Na, also, liebe Sylvia – es geht doch! Aber die beiden haben sich auch richtig Mühe gegeben – muy agradable, gracias. Regen zieht hoch und es donnert schon ganz in der Nähe. Ein älterer Herr mit Frau, Schwiegertochter und Sohn kommen strahlend auf uns zu. Also, dass selbe noch Mal. „Sprechen Sie ein bisschen Englisch? Mein Spanisch ist so schlecht. Wir lernen noch". Kein Erbarmen – aber sie sprechen deutlich und versuchen einfache Sätze und das geht dann auch. Zuerst wieder das Auto – dann „ich komme aus Italien". Erzählt uns der alte Herr. „ich habe noch zwei Nichten dort und zwei Söhne sind in Deutschland. Ich spreche leider kein Deutsch. Wir wünschen Ihnen buen viaje y suerte". Die ersten Tropfen fallen und alles rennt. „Das Wasser hier schmeckt eigentlich ganz gut", sage ich zu Paul. „Wir könnten doch noch tanken"? Wir stellen das Auto um und kommen jetzt bequem mit dem Schlauch an den kleinen Wasserhahn. Das wird dauern. Inzwischen regnet es richtig heftig.

 


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