

Ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht hingefahren wäre! Zum Glück war Paul unnachgiebig und zum Glück haben wir die Ganztagestour gewählt. Aber der Reihe nach.
Um 8.15 Uhr sind wir da, die Ente auch, aber die schwimmt selber da rüber. Es müffelt am Hafen. Neben uns läuft Abwasser in den See.
Ganz simpel haben wir gestern eine Fahrt für 2 € pro Person gekauft – am Kiosk am Strand. Abfahrt 8.30 Uhr. Unsere Nachbarn wollten wandern und haben ein Boot privat gechartert für 45 €. Weil die Straße von La Paz hierher noch blockiert wird, fehlten die Gäste und wir fahren in einem anderen Boot mit. Wegen 4 Leuten auslaufen, wäre nicht sehr ökonomisch gewesen. Ob da irgendwo Rettungswesten an Bord sind – vermutlich nicht! Strahlend blauer Himmel, glatter See, etwas frisch, nette Mitfahrer auf Deck – der Tag beginnt perfekt.

Die Doris aus Österreich leistet uns Gesellschaft und ein junges Paar aus Argentinien. Der Mate kreist und Spanisch ist die Sprache des Morgens. Die Isla de la Luna wird generell nicht angefahren. Wer das möchte zahlt 60 €.




Was gibt es zu sehen? Zunächst einmal Landschaft! Und die ist phantastisch! Chantal meint: „Wie Griechenland!“ Doris meint: „Wie in der Adria!“ Wir sagen einfach: „Mittelmeer!“ Allerdings ist das Wasser recht frisch.



Strandleben
Archäologisch? Klar, da wird man auch versorgt. 1 € Eintritt für die Ruinen, die 2,5 km vom Hafen entfernt sind. Die Meisten bleiben am Strand hängen – echt, so einladend, so mittelmeerisch – Doris nimmt von ihrem Plan Abstand zur südlichen Anlegestelle zu Wandern (8 km) und relaxt am Strand.




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So sind Terrassenfelder aufgebaut – ein Querschnitt

Wir sind Kultur beflissen und wandern zu den Ruinen.



Der sogenannte Opfertisch
Überreste sind ab 374 belegt (Tiwanaku). Um 1500 stieg der Wasserspiegel des Titicacasees und einiges in Küstennähe verschwand in den Fluten. Im 15. Jahrhundert besetzten die Inka die Sonneninsel und erklärten sie zur Insel ihrer Geburtsstätte. Der Felsen Titicala war in grauer Vorzeit das Haus der Sonne, bevor sie zum Himmel emporstieg. Sie schickte zwei ihrer Kinder Manco Capac, den ersten Inka und seine Frau Mama Ocllo zur Erde. So die Legende
Unweit dieser Stelle liegt Chincana. Unklar ist, welche Funktion die Gebäude hatten.


Die Inkatreppe führt zur einzigen Wasserversorgung auf der Insel. Geschäftstüchtig stürzen sich die Kassierer hier auf ankommende Gäste: 0,50 €, um die Treppe hinaufzusteigen! Ist nicht viel, aber echt, was soll das? Den Meisten ist nicht klar, wofür sie den Eintritt zahlen und sind der Meinung, es ist der Preis, um an Land zu gehen! Wir haben unsere Karten gleich an Neuankömmlinge weitergegeben.

Interessant wäre der botanische Garten gewesen. „Der ist privat“, meint eine der Frauen, die wir fragen. „Aber wozu stehen dann so große Schilder vor den einzelnen Beeten?“ fragt Doris noch mal nach und zu uns gewandt, „Das würde mich jetzt interessieren!“ Mich auch, aber es hat nicht sollen sein. Vielleicht habt ihr mehr Glück.

Im Süden ist der Palast Pilko Kaina eine Konstruktion, die 15 Räume enthält und zweistöckig angelegt ist. Früher gab es ein Satteldach und feinen Lehmverputz, außen gelb bemalt und innen rot. Das Gebäude wurde unter Tupac Amaru errichtet.

Postkartenschön!
Trekken kann man auf der Insel und wild campen scheint kein Problem zu sein. An beiden Häfen gibt es Übernachtungsmöglichkeiten. Um auf direktem Weg von Nord nach Süd zu wandern braucht man ungefähr 5 Stunden – schattenlos und bergauf, bergab. Die Informationen über die Möglichkeiten auf der Insel sind mehr als dürftig. Wanderkarten gibt es keine und Wegmarkierungen oder Hinweise auch nicht. Nur auf der Rückseite der Eintrittskarte ist ein Schema, das wir erst daheim entdeckt haben. Also haben wir auch nicht das kleine Goldmuseum auf der nördlichen Landspitze angeschaut. Ärgerlich!
Es hat schon angemacht, länger zu bleiben. Eine kleine alternative Szene scheint sich gerade zu entwickeln.

Unsere fleißigen Wanderer sind kurz nach uns eingetrudelt mit sonnendurchglühtem Gesicht. „Sehr anstrengend war es“, meint Chantal und zieht sich ins Bett zurück. Wir waren mit unserem Ausflug fast rundum zufrieden. Die Doris hat uns noch zum Hotel begleitet und sich Material für ihre Reise durch Peru mitgenommen.
Anmerkung: Bis heute fand ich den Titicacsee eher fad, aber jetzt, nach der Tour muss ich sagen: Die bolivianische Seite mit der Isla del Sol ist ganz herrlich! Empfehlung? Unbedingt machen! Vielleicht auch über Nacht?