Phase3

Mit dem Wohnmobil unterwegs

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Peru Anden

Reiseabschnitt vom 02.06.2011 bis zum 14.08.2011

Start der Etappe in den Anden in Peru bis zur Ankunft in Bolivien.

 

02.06.2011



Tag zwei der Grenzformalitäten. Für uns öffnet sich der Schlagbaum – wir dürfen auf die Brücke.




Die Peruaner wollen uns nicht wirklich – der Schlagbaum bleibt zu. Wir nehmen die Papiere und auf geht es! Nur der Mann von der SUNAT ist anwesend. Zunächst brauchen wir Kopien von den Pässen und den Fahrzeugpapieren samt Führerschein. Kopieren kann man in einem Laden. Mit den Kopien bewaffnet wieder zur Aduana, dem Zoll. Sorgfältig legt er alles auf seinen Schreibtisch. „Bevor es hier weitergeht“, meint er, „müssen erst die Pässe abgestempelt werden nebenan bei der Migration, der Einreise“, aber der Beamte kommt erst in zwei Stunden“. ????
Jetzt ist es 8.00 Uhr. Wir haben also mehr als massenhaft Zeit. Ein junger Amerikaner wartet seit Sonnenaufgang auch auf peruanischer Seite und sitzt im Restaurant zum Frühstück. Als Paul sich gerade aufmacht, um den Dicken etwas ebener hinzustellen – wir stehen immer noch hinter der Schranke im Niemandsland, wird er ins Zollgebäude beordert. Man könne ja schon mal die Daten für das Einreisepapier des Fahrzeugs vorbereiten. Gute Idee! Gerade sind sie fertig zum Drucken – da fällt der Strom aus. Während ich mich mit Aron, dem jungen Amerikaner unterhalte, zieht sich Paul zum zweiten Frühstück zurück. Aron lebt schon seit 6 Jahren in Peru. Er hat ein kleines Unternehmen, das organisch angebaute Produkte vermarktet. Seine Produzenten sind die Indianergemeinden im Amazonas bei Toropoto. Schwerpunkte sind Kakao, Früchte und alte Getreidesorten. Ich plaudere gern mit ihm. Es sind interessante Themen, die wir anschneiden. Alles dreht sich um Naturschutz, Landbau, Ernährung, die kritiklose Übernahme von sogenanntem Fortschritt etc.
10.00 Uhr – das Migationsbüro öffnet! Personalpapier ausfüllen und ab damit zur Polizei vor dem Gebäude der Schule. Heute geht alles von Hand, denn der Strom fehlt immer noch. „Wollt ihr 180 Tage haben?“ fragt der Migrationstyp, als wir wieder bei ihm auftauchen. „Eh, nö, eigentlich reichen 90 Tage. Ist sehr nett, danke!“ Pass gestempelt und wieder ab zum Zoll. „Das Ausreisevisum ist von gestern“, stellt der Mann vom Zoll fest und sein fragender Blick verlangt eine Antwort. „Stimmt. Es war gestern spät und auf peruanischer Seite ist ja um 17.00 Uhr schon geschlossen. Wir haben drüben übernachtet“. Er schluckt die Erklärung, obwohl ich ein bisschen gemogelt habe – es war noch nicht 17.00 Uhr. Auch hier geht jetzt alles von Hand. „Das Deckblatt vom Internationalen Führerschein müsst ihr noch kopieren wegen der Nummer“, meint er zwischendurch. „Geht nicht! Der Kopierer ist auch ohne Strom“. Er schreibt die Nummer von Hand. Es geht auf 11.00 Uhr zu. Aron ist von seinem Taxi nach Jaen versetzt worden und so nehmen wir ihn mit. Bis San Ignacio bleibt er unser Fahrgast und schlummert entspannt auf dem Beifahrersitz.




Antibiotisch, der Saft zieht die Wundränder zusammen und legt sich wie eine zweite Haut über die Wunde. Aron ist überzeugter Anhänger der Naturheilkunde.





Die grünen Punkte am Hang sind junge Kaffeepflanzen

Die Hunde sind hier drüben dünner und es gibt viel mehr. Kaffee, wohin das Auge schaut und die Methoden sind die gleichen. Auch die Trocknung der Bohnen ist sehr natürlich in der Sonne neben der Piste.
Aber die Piste ist besser, so hat der Zollbeamte in Ecuador versprochen – er hat recht. Wir kommen zügig voran.




In San Ignacio trennen sich unsere Wege. Aron besorgt sich ein Colectivo, ein Sammeltaxi,  um schneller voran zukommen und wir lassen es gemütlicher angehen.




Peru hat nicht nur Kaffee, sondern auch - - - Reis!!!! Wie an der Küste, gell? Der Reisgürtel beginnt auch hier wieder. Dazwischen Kühe und die Zweibeiner.





Mit kleiner Showeinlage




Zwar neben der Piste, aber trotzdem nur mit der Fähre zu erreichen





Willkommen in Tamborapa! Frisch aufgeschlagen schmeckt die Kokosmilch am Besten!
Vor dem Einsatzbüro der Straßenkontrolle finden wir endlich einen Parkplatz. Weder an der Küste noch hier in den Bergen war es bisher leicht, einen brauchbaren Übernachtungsplatz zu finden.


 

03.06.2011


Für Jaen haben wir uns vorgenommen: Bank und einkaufen. Die Straße bleibt super. Diesen blöden SUNAT Aufkleber habe ich losgefieselt und tiefer geklebt. Jetzt ist er aus dem Sichtfeld

.

So was hatten wir bisher noch nie bekommen. Es steht drauf, wie lange das Fahrzeug im Land bleiben darf, der Halter und das Kennzeichen und oben irgendein Aktenzeichen. Nachdem die Reifen wieder prall gefüllt sind um schwerelos zu rollen, geht es nach Jaen




Die Reisernte ist in vollem Gang




Ein selbstgebauter Lomada, eine Schranke, T-Shirts mit der Aufschrift „Sicherheit“ und umgehängte Gewehre – was soll man davon halten?  „Halten“ geht schon mal gar nicht! Ich würde vermuten – Wegelagerer, denn die Handbewegung des rechten Typs war eindeutig – Lass mal Geld rüberwachsen! Es ist viel Verkehr und wir sehen zu, dass wir schnellstmöglich den Abstand zwischen ihnen und uns vergrößern. Nachts nennt man so was wahrscheinlich eine Begegnung der unangenehmen Art!





Entlang der Straße wird diesmal Reis getrocknet




Zunächst noch ganz manierlich, entpuppt sich Jaen als eine Stadt „In der man nicht tot über dem Zaun hängen möchte“, um Jule aus Jatun Sacha zu zitieren.
Es ist staubig, laut, die Nebenstraße ein einziges Schlagloch, Abwasser fließt dort auf der Straße entlang, ein unglaubliches Gewühl und nach einem Parkplatz haben wir gar nicht erst gesucht. Raus hier! Am Stadtrand streiten sich ein paar Geier um einen aufgeblähten, toten Hund. Der Leichengeruch macht uns erst auf die Fressorgie aufmerksam.




Geier sind reinliche Tiere. Massenbaden im nahen Fluss

„Also dann der nächste, größere Ort“, meint Paul. Das ist Bagua Grande. Die Thermalbäder „Almendral“ liegen am Weg. Baden wäre bei der Hitze nicht schlecht! Na, mal sehen.




Ein kaum noch zu entzifferndes, rostiges Schild auf der rechten Seite der Straße gibt endlich einen Hinweis. Das Tor ist verschlossen und was sich dahinter erstreckt sieht eher nicht wie ein Bad aus. Direkt am Flussufer stehen Holzverschläge. Ein junger Mann schließt auf. Das hier sei privat und es sind die Thermalbäder. „2 US$ pro Person“, möchte er haben. Wir schauen uns das erst mal an, meinen wir und gehen die wenigen Schritte bis zum ersten Wasserloch.  In einer grünlichen Brühe dümpeln zwei leere Plastikflaschen. Ein Holzverschlag mit einer ehemaligen Tischdecke davor ist anscheinend als Umkleidekabine gedacht. „Weiter hinten sind noch mal zwei Becken“, meint der junge Mann. Die seien warm. Wir beschließen das Thermalbaden heute ausnahmsweise ausfallen zu lassen und verabschieden uns.




Ein Schild weist uns drauf hin: „Willkommen in Amazonien! Nutze Deine Möglichkeiten!“ Und dann beginnt ein Schilderwald. Wir erfahren, wie der Pfarrer der nächsten Gemeinde heißt, dass ich meine Schwangerschaft genießen und auf die Ernährung achten soll, dass ich die Umwelt schützen soll, das ich keine Bäume abhacken soll, das der Wald die Lunge der Erde ist,




und ich meine 10 –jährige Tochter mit 3 Injektionen gegen Gebärmutterkrebs schützen kann. Hallo? Alle noch ganz dicht? Von diesen Schildern gibt es noch mehr. Um Infektionen zu verhindern, soll ich mir die Hände waschen, wenn ich gepinkelt oder gesch…habe. Sollte ich kein Papier zur Hand gehabt haben, sei dies besonders wichtig! Oder: Folgende Symptome weisen auf Dengue Fieber hin: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber – gehen sie dann in das Gesundheitszentrum. Achten Sie auf Hygiene!
Ich finde das so perfide! Die meisten Häuser hier auf dem Land haben keinen Wasseranschluss, geschweige denn eine Abwasserversorgung. Hygiene so zu betreiben, wie es auf den Schildern steht, ist auch bei bestem Willen nur sehr eingeschränkt möglich.




Weiter durch Reisland nach Bagua Grande. Die Außentemperatur ist inzwischen bei 35° C angekommen. Bagua Grande präsentiert sich als angenehmes Städtchen, die Bank frisch gekühlt, der Bankautomat kooperationsbereit, Parkplatz kein Problem.




Wir würden gerne einkaufen, aber als nach 5 Minuten langsamer Suchfahrt entlang der Hauptdurchgangsstraße und dem 12. Laden immer noch „Motivation für deine Felder und Tiere“ als Ladenaufschrift erscheint, wohlgemerkt auf einer Straßenseite und nichts anderes in Sicht kommt, fahren wir zu. Diese Läden riecht man schon von weitem! Man bekommt alles und die Leute kaufen alles. Die Chemiekonzerne haben das fest im Griff.




Der Himmel in Bagua Grande verspricht zwar Regen – aber es bleibt beim Versprechen.




Flusslandschaften und Reis, darüber trockene Berge. Ein großer Parkplatz über dem Fluss erscheint uns als guter Übernachtungsplatz.
Kontrolle im Fahrradkeller. Paul möchte die Batterien prüfen und stellt mit Schrecken fest: Die Flaschen mit der entnommenen Batteriesäure sind umgekippt! Eine war etwas undicht und das Zeug ist zum Teil ausgelaufen! Statt Batterieprüfung Fahrradkeller ausräumen und mit Wasser ausspülen. Zum Glück scheint nicht viel passiert zu sein. Der Tag hat noch mehr  Überraschungen: Das Fleisch ist ungenießbar nach einem Tag Kühlschrankaufenthalt und wir zerschneiden es für die Hunde der Nachbarschaft und die kühle Amazonasmelone ist pfurztrocken und völlig geschmacksneutral. Genmelone? Sie fliegt aus dem Fenster.
Leise vor uns hin transpirierend warten wir auf das Sandmännchen.

 


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