
6.30 Uhr aufstehen und die Kühle des Morgens genießen. Die Grünanlagen werden trotz ausgiebigem Regen in der Nacht wieder gewässert. Wir mümmeln unsere trockenen Weißmehlbrötchen und laufen dann wieder ein beim Zoll. Das mit den Fehlern hört man nicht gern und versucht uns nach Chacras zu schicken, um das zu korrigieren. „Wir können das im System nicht ändern“. „Von Hand und mit Stempel und Unterschrift?“ „Geht nicht!“ Paul wird sauer und laut, der Mann vom Zoll auch und der Sicherheitsbeamte steht in den Startlöchern. He Jungs, immer mit der Ruhe! Ich finde, uns hier in der Gegend rumzuschicken, bloß weil irgendein Computersystem angeblich Änderungen nicht erlaubt – das kann es nicht sein. Wir sagen, sie sollen doch bitteschön bei diesem Mann in Chacras anrufen und fragen, ob er die Papiere ändern wird. Wenn ja, hätten wir gerne seinen Namen und die genaue Anschrift. Kurz darauf sitzen beide Zöllner am PC und knobeln das Ganze neu aus. Die Motornummer lässt ihnen keine Ruhe – also Fahrerhaus kippen und suchen – da wimmelt es nur so von Nummern, aber keine ist die Motornummer. Sie geben die Sache mit der Motornummer schließlich auf. Nach einer Stunde haben wir ein korrekt ausgefülltes Formular – also geht doch! Die Wogen sind geglättet, Shakehands und ab in die Stadt, um eine Versicherung zu finden.
Diesmal bezahlen wir weniger als einen Dollar, als wir wieder in die Stadt wollen. Direkt bei der Polizei bleiben wir stehen und fragen noch mal nach: Eine Versicherung für das Fahrzeug soll es sein. SOAT heißt das und die kriegt man wenn ihr bis vor zur Ecke geht und links in die Straße einbiegt, ½ Block auf der rechten Seite – mit anderen Worten: Hier die GPS Daten: S 03°28,915’ und W 080°14,334’.
Das Büro ist in einem Laden für Motorräder und Ersatzteile und das Thema ist nach 15 Minuten erledigt. Wir haben der jungen Frau das Zollpapier des Dicken gegeben und da waren alle Daten drauf. Sie hat es in den PC eingegeben und der Drucker hat die Police ausgespuckt – das wars! Kostenpunkt: 6,59 US$. Wir fragen nicht weiter nach, wollen auch keinen Ansprechpartner oder eine direkte Durchwahl. Wir haben jetzt eine Versicherung, so wie jeder hier im Lande, der auf Rädern unterwegs ist.
11.00 Uhr und wir können Huaquilla wieder verlassen. Brötchen gibt es unterwegs und ein paar Mangos und Äpfel kaufen wir viel zu teuer ein – dafür haben wir eine preiswerte Versicherung. Tanken, denn wir sind etwas knapp gefüllt, dass sollte auch noch sein.

1 Gallone (3,85 l) kostet 1.037 US$, also 0,70 Eurocent. Der Literpreis: 0,17 Eurocent. Nehmt gefilterten Diesel (Filtrado).
Es grünt und wie. Ich glaube, wenn man hier einen Besen in die Erde steckt, wird er auch grün. Der Verkehr ist heftig, überholt wird blind. Es gibt noch eine Polizeikontrolle ohne Kontrolle, wir dürfen fast gleich weiter.

Sobald man von der Panam runter ist, wird es ruhig auf der Straße. Ein bisschen macht sich Urwaldfeeling breit.

Zunächst durch den Bananengürtel. DelMonte, Dole und die anderen Früchtchen haben hier ihre „Gärten“. Von hier kommt die Pausenbanane.






Kilometerweit geht es durch die Plantagen. Und damit die noch grünen Finger eine Augenweide werden sind die Kollegen von der Chemie ganz nah und „helfen“ mit. Wasser haben wir in dieser Gegend keins getankt.
Auch Ecuador stinkt: Nach Fischmehl, süßlichem Leichengeruch, Schimmel und Spritzmitteln.



Je höher wir aber in die Berge kommen, umso angenehmer wird es. Nicht nur die Temperaturen werden erträglicher, es duftet nach Wald und Blüten.





Kleine Ortschaften ziehen sich entlang der Straße und in die tief eingeschnittenen Täler hinein. An den steilsten Hängen wird Mais angebaut. In kleinen Unterständen werden Bananen und anderes Obst angeboten. Es ist Bauernland. Die Menschen leben sehr einfach.

Wir legen eine Pause im Hof einer Schule ein. Daneben die Kirche. Der hintere Teil des Dachs fehlt. Zwei Männer begutachten den Dicken, fachsimpeln miteinander. „Nach Cuneca wollt ihr“, und er nickt nachdenklich. „Die Straße weiter oben wird dann aber auf ein kurzes Stück sehr schlecht“, meint er. „Wie lang ist das Stück“, frage ich zurück. „Vielleicht für eine ½ Stunde“, kommt die Antwort. Das ist mir schon öfter aufgefallen: Kilometerangeben bekommt man selten, dafür eine Zeitangabe.


Inzwischen sind wir auf knapp 1000 m. Es regnet ein bisschen. Auf der Straße sieht man, wo die letzten Erdrutsche blockiert haben. Nebenstraßen sind Morastpfade. Und dann kommt das schlechte Stück: Eine steile Haarnadelkurve bergauf im Dreck. Die LKWs stauen sich. Weiter oben ein LKW, der die Straße blockiert. Kleinlaster und Pickups quetschen sich schlingernd an ihm vorbei. Wir beschließen das Teilstück auf Morgen zu verschieben und wenden.

Inzwischen arbeitet ein Räumfahrzeug neben dem LKW am Hang und vergrößert die Straße, füllt auf, um den Weg wieder passierbar zu machen.
Wir finden ein ideales Plätzchen für die Nacht, machen die Schotten dicht und lauschen dem Regen. Ein Pick up leuchtet uns gut aus, bevor er hinunter zum Fluss fährt. Nachts ist auf dieser Straße niemand mehr unterwegs.