Phase3

Mit dem Wohnmobil unterwegs

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Ecuador

Reiseabschnitt vom 08.04.2011 bis zum 01.06.2011

Start der Etappe in Ecuador bis zur Ankunft in den Anden in Peru.

 

08.04.2011




6.30 Uhr aufstehen und die Kühle des Morgens genießen. Die Grünanlagen werden trotz ausgiebigem Regen in der Nacht wieder gewässert. Wir mümmeln unsere trockenen Weißmehlbrötchen und laufen dann wieder ein beim Zoll. Das mit den Fehlern hört man nicht gern und versucht uns nach Chacras zu schicken, um das zu korrigieren. „Wir können das im System nicht ändern“. „Von Hand und mit Stempel und Unterschrift?“ „Geht nicht!“ Paul wird sauer und laut, der Mann vom Zoll auch und der Sicherheitsbeamte steht in den Startlöchern. He Jungs, immer mit der Ruhe! Ich finde, uns hier in der Gegend rumzuschicken, bloß weil irgendein Computersystem angeblich Änderungen nicht erlaubt – das kann es nicht sein. Wir sagen, sie sollen doch bitteschön bei diesem Mann in Chacras anrufen und fragen, ob er die Papiere ändern wird. Wenn ja, hätten wir gerne seinen Namen und die genaue Anschrift. Kurz darauf sitzen beide Zöllner am PC und knobeln das Ganze neu aus. Die Motornummer lässt ihnen keine Ruhe – also Fahrerhaus kippen und suchen – da wimmelt es nur so von Nummern, aber keine ist die Motornummer. Sie geben die Sache mit der Motornummer schließlich auf. Nach einer Stunde haben wir ein korrekt ausgefülltes Formular – also geht doch! Die Wogen sind geglättet, Shakehands und ab in die Stadt, um eine Versicherung zu finden.
Diesmal bezahlen wir weniger als einen Dollar, als wir wieder in die Stadt wollen. Direkt bei der Polizei bleiben wir stehen und fragen noch mal nach: Eine Versicherung für das Fahrzeug soll es sein. SOAT heißt das und die kriegt man wenn ihr bis vor zur Ecke geht und links in die Straße einbiegt, ½  Block auf der rechten Seite – mit anderen Worten: Hier die GPS Daten: S 03°28,915’ und W 080°14,334’.
Das Büro ist in einem Laden für Motorräder und Ersatzteile und das Thema ist nach 15 Minuten erledigt. Wir haben der jungen Frau das Zollpapier des Dicken gegeben und da waren alle Daten drauf. Sie hat es in den PC eingegeben und der Drucker hat die Police ausgespuckt – das wars! Kostenpunkt: 6,59 US$. Wir fragen nicht weiter nach, wollen auch keinen Ansprechpartner oder eine direkte Durchwahl. Wir haben jetzt eine Versicherung, so wie jeder hier im Lande, der auf Rädern unterwegs ist.
11.00 Uhr und wir können Huaquilla wieder verlassen. Brötchen gibt es unterwegs und ein paar Mangos und Äpfel kaufen wir viel zu teuer ein – dafür haben wir eine preiswerte Versicherung. Tanken, denn wir sind etwas knapp gefüllt, dass sollte auch noch sein.




1 Gallone (3,85 l) kostet 1.037 US$, also 0,70 Eurocent. Der Literpreis: 0,17 Eurocent. Nehmt gefilterten Diesel (Filtrado).

Es grünt und wie. Ich glaube, wenn man hier einen Besen in die Erde steckt, wird er auch grün. Der Verkehr ist heftig, überholt wird blind. Es gibt noch eine Polizeikontrolle ohne Kontrolle, wir dürfen fast gleich weiter.




Sobald man von der Panam runter ist, wird es ruhig auf der Straße. Ein bisschen macht sich Urwaldfeeling breit.




Zunächst durch den Bananengürtel. DelMonte, Dole und die anderen Früchtchen haben hier ihre „Gärten“. Von hier kommt die Pausenbanane.






Kilometerweit geht es durch die Plantagen. Und damit die noch grünen Finger eine Augenweide werden sind die Kollegen von der Chemie ganz nah und „helfen“ mit. Wasser haben wir in dieser Gegend keins getankt.
Auch Ecuador stinkt: Nach Fischmehl, süßlichem Leichengeruch, Schimmel und Spritzmitteln.





Je höher wir aber in die Berge kommen, umso angenehmer wird es. Nicht nur die Temperaturen werden erträglicher, es duftet nach Wald und Blüten.






Kleine Ortschaften ziehen sich entlang der Straße und in die tief eingeschnittenen Täler hinein. An den steilsten Hängen wird Mais angebaut. In kleinen Unterständen werden Bananen und anderes Obst angeboten. Es ist Bauernland. Die Menschen leben sehr einfach.




Wir legen eine Pause im Hof einer Schule ein. Daneben die Kirche. Der hintere Teil des Dachs fehlt. Zwei Männer begutachten den Dicken, fachsimpeln miteinander. „Nach Cuneca wollt ihr“, und er nickt nachdenklich. „Die Straße weiter oben wird dann aber auf ein kurzes Stück sehr schlecht“, meint er. „Wie lang ist das Stück“, frage ich zurück. „Vielleicht für eine ½ Stunde“, kommt die Antwort. Das ist mir schon öfter aufgefallen: Kilometerangeben bekommt man selten, dafür eine Zeitangabe.




Inzwischen sind wir auf knapp 1000 m. Es regnet ein bisschen. Auf der Straße sieht man, wo die letzten Erdrutsche blockiert haben. Nebenstraßen sind Morastpfade. Und dann kommt das schlechte Stück: Eine steile Haarnadelkurve bergauf im Dreck. Die LKWs stauen sich. Weiter oben ein LKW, der die Straße blockiert. Kleinlaster und Pickups quetschen sich schlingernd an ihm vorbei. Wir beschließen das Teilstück auf Morgen zu verschieben und wenden.




Inzwischen arbeitet ein Räumfahrzeug neben dem LKW am Hang und vergrößert die Straße, füllt auf, um den Weg wieder passierbar zu machen.
Wir finden ein ideales Plätzchen für die Nacht, machen die Schotten dicht und lauschen dem Regen. Ein Pick up leuchtet uns gut aus, bevor er hinunter zum  Fluss fährt. Nachts ist auf dieser Straße niemand mehr unterwegs.


 

09.04.2011

Happy Burtseltag haben mir Nina, Enver und Jason gewünscht und auf dem Satphone eine SMS geschickt. Aber die ersten Gratulanten waren natürlich der Paul und das Team! Apfelpüfferchen wollte er für mich machen, aber ohne Ei fällt das aus. Brötchen sind ja noch im Fach.




Gehen wir es an! Kurzer Stopp bei der Polizeistation. Die, gegenüber vom Nachtclub. Ich bin zu früh. Der junge Mann hüpft noch in der Unterhose herum: „Die Straße ist passierbar. Es ist die Umleitungsstrecke nach Cuenca. Die andere Straße kann nicht befahren werden! Jetzt noch 4 km und dann links hoch. Die Straße ist ripio, schlecht und bis zur Asphaltstraße sind es 18 km.“ Er wünscht uns eine gute Fahrt.




Der letzte Regen fiel gestern Nacht und heute Morgen ist alles übertrocknet. An der Steilstrecke haben sie gestern noch gearbeitet, man sieht es und sie lässt sich gut an.





Schmal mit Ausweichstellen und gelegentlich ist es gut, dass der Allrad noch drin ist, fahren wir durch eine hügelige, grüne Landschaft, geprägt von Landwirtschaft und Streusiedlungen. Mais, Bananen, Obst und Gemüse. Es geht immer hinunter ins Flusstal und auf der anderen Seite wieder hinauf. Gerodet wurde hier im großen Stil. Der Boden ist fruchtbar.




Hier ist Schlachttag

Häuser und Städtchen wirken wohlhabend. Die Gesichter sind dunkel – Land der Ureinwohner.
Hinter Santa Isabel treffen wir wieder auf die asphaltierte Straße.




Ein Bagger räumt die letzte herunter geschwemmte Erde zu Seite. Gut getroffen! Kurz darauf fängt es wieder an zu regnen.





Wir machen es wie die Einheimischen, wir Essen auswärts. Überall an der Straße gibt es Garküchen und dort, wo die Meisten stehen, ist es besonders reichhaltig. Heute steht Ferkel am Spieß oder Hühnchen gegrillt auf dem Speiseplan mit Reis, Kartoffeln, Bohnen und etwas Gemüse. Das Glas Saft gibt es gratis dazu. Für 3,00 € zu Zweit, sitzen wir unter dem Wellblechdach auf Plastikstühlen und gabeln unsere Riesenportionen. Es ist nicht gute Hausmannskost. Paul rollt aufs Sofa und braucht eine Verdauungspause.




Der Himmel öffnet seine Schleusen sehr weit. Regenzeit. Wir sind immer noch zu früh dran. Mai, Juni, Juli, August – besonders Juli und August seien die schönsten Monate schwärmt unser Wirt. Dann ist es hier phantastisch.



Es grünt das Dach




Es grünt das Land



Wir wagen einen kleinen Schlenker zu einer himmelblauen Kirche inmitten des Grüns. Die Männer und Jugendlichen reagieren auf unseren Blitzbesuch verhalten und wir verziehen uns auch ziemlich schnell wieder. Wie in Peru entlockt man den Indigenas selten ein Lächeln. Mit unbeweglichen Gesichtern sitzen sie hinter dem Steuer oder stehen im Laden, geben eine Auskunft.




Wir haben das Gefühl uns im Allgäu zu bewegen. Weiden, Bäume Zäune Kühe, aber auch seltsam asiatisch  anmutende Ausblicke.





 


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