Phase3

Mit dem Wohnmobil unterwegs

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Reiseabschnitt vom 14.02.2011 bis zum 07.04.2011

Start der Etappe in Peru bis zur Ankunft in Ecuador.

 

14.02.2011

2011-02-14_1.JPG Hilfe!!!!!!!!!

„Seid früh dran, wenn ihr rüber wollt!“ War Brunos Rat. Wir waren mittelfrüh dran. Und was man hier braucht und nirgends auf amtlichem Weg, also an den diversen Schaltern bekommt ist das:

 

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Ein 4-facher Wisch, den es anscheinend nur bei den Taxifahrern gibt??? Wir haben ihn von einer netten Chilenin bekommen, die noch welche im Auto hatte. Hier werden die Autodaten eingetragen, die Daten des Fahrers und die Daten der Mitreisenden. Ist wie ein Laufzettel. Ohne den geht es nicht!

Wieder Erwarten sind wir rasch fertig. Unser neues Formular hat den ersten Stempel und wir fahren weiter zur peruanischen Kontrollstelle.

 

2011-02-14_3.JPG Sieht fast gleich aus – es wimmelt

Parkplätze werden zugewiesen und die Jungs kommen ganz schön ins Schwitzen. Schön in die Schlange stellen für den Stempel in den Pass. „Die haben alle noch so ein Papier in der Hand“, stelle ich irgendwann mal fest. Paul bleibt in der Reihe und ich versuche mal abzuklären, was das ist. „Hoja turistica“, belehrt mich ein Mann, der wild um sich stempelt. „Wo gibt es das?“ Er schickt mich ins Gebäude, dort wo alle schon Schlange stehen. „Dos Hojas turisticas“, flöte ich einen jungen Mann an, der in seine Schublade greift und mich zu einer glücklichen Frau macht. So, jetzt stehen wir gut gerüstet an. Trotz Schlange – es geht zügig voran. Eingereist wären wir. Fehlt der Dicke. Zoll und Gesundheitsbehörde. Wieder ins Gewühl, da wo die Autos parken und der wild stempelnde Mann steht (inzwischen sind es mehrere) nachfragen, wie es weitergeht. Erst die Gesundheitsbehörde, die nach Obst fragt, das ich gut gebunkert habe. Ich biete ihm 1/8 Zwiebel an, die er aber verschmäht. Sonst will er nix. Haut seinen Stempel auf alle Seiten unseres Laufzettels. Auto zu, Treppe hoch und wieder zu den Stemplern. Der Mann vom Zoll hätte dann auch noch gern einen Blick…Türe auf, Treppe runter, Mann rein, Stempeln. Irgendwie werden die Zettel auch weniger. Es ist heiß geworden, die Autoeinweiser schwitzen, die ersten Fahrer sind ungeduldig, man hupt.

„Für den Dicken müssen Sie zu dem kleinen Häuschen da mitten drin“, werden wir weitergeschickt. Nett sind sie ja, die Peruaner. Es dauert eine Weile, bis wir realisieren, dass er das Kabüffchen auf dem Mittelstreifen zwischen Einreiseschaltern rechts und Ausreiseschaltern links meint. Sieht eher aus wie ein Kiosk, aber hier sind wir richtig. Formalitäten in brütender Hitze. Schattendach wäre eine Serviceleistung! Der junge Mann ist allein, der Andrang ist gering, aber es dauert halt. Dann werden die letzten Stempel geknallt. Fertig! Das letzte Papier vom 4-fachen Zettelstapel ist für den Kontrollposten, wenn wir das Zollgelände verlassen. Alles klar. Durchatmen! Alles in allem hat es nur zwei Stunden gedauert! Wir haben 90 Tage Aufenthalt und der Dicke auch. „Brauchen wir eine Versicherung für das Fahrzeug während der drei Monate in Peru?“ fragen wir den Mann vom Zoll. „Das ist freiwillig“, meint er. „Wir möchten gerne eine abschließen. Welche Versicherung können sie uns empfehlen?“ „RIMAC oder Pacifico. Die haben Büros in Tacna“. Unser letzter gestempelter Durchschlag bleibt beim Kontrollposten.

Wenn ihr über Tacna ausreist braucht ihr ebenfalls dieses 4-fach Papier. Nach Auskunft muss das gekauft werden (1 Solis). Wir haben aber keine Ahnung wo.

 

Peru fängt so an, wie Chile aufhört: Wüste, aber eher sandig. Bis Tacna sind es 30 km auf gut ausgebauter Straße. Palmen auf dem Mittelstreifen kündigen die nahe Stadt an. Rechts die Freihandelszone.

 

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Dann eine Moschee und unweit davon parken wir vor einem Kindergarten – jedenfalls sieht es so aus. Wir sind nicht weit von der Plaza de Armas mit der Kathedrale entfernt. Zwei Polizisten in einem Auto befragen wir gleich noch mal. „Versicherung für ein Fahrzeug auf Durchreise für 3 Monate – ein Muss, oder freiwillig?“ „Braucht ihr nicht, nur Peruaner müssen sich versichern.“ „Wir möchten es aber trotzdem machen. Wir suchen ein Büro der RIMAC oder der Pacifico“. Er kramt die Versicherung für den Polizeiwagen heraus. „Ein Büro der Pacifico ist auf der Plaza Zela am Ende der Plaza de Armas. Es geht ein bisschen bergauf, “ meint er.

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Unser Eindruck von Tacna? Sehr sauber, grün, schöne Anlagen – zumindest um die Plaza herum, Polizeipräsenz, die auffällt.

Das Büro der Pacifico finden wir auf Anhieb – nur, die wollen uns nicht versichern. So was machen sie nicht, sie seien auf andere Dinge spezialisiert. „Wer macht es dann?“

 

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Eine Dame ist geschäftlich unterwegs und nimmt uns mit zu einem Agenten der La Positiva zwei Staßenzüge weiter. Ehrlich, wir hätten das Büro nie gefunden!

Die Versicherung, die wir abschließen wollen, entspricht einer Haftpflichtversicherung und soll uns 90US$ für drei Monate kosten. Wir vereinbaren, dass die Unterlagen bis heute Nachmittag, 16.00 Uhr fertig sind.

Wir haben 4 Stunden Zeit.

 

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Die Kathedrale auf der Plaza de Armas

 

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Mutter und Tochter

 

Im Touristbüro der Stadt gucken wir vorbei: Sehr gut ausgestattet mit viel Material. Wir bummeln zurück zum Dicken und machen ein bisschen Siesta. „Mal schauen, ob sie mich in die Moschee reinlassen.“ Damit steige ich in lange Hosen, wechsle das Top in ein Hemd mit längerem Arm und schnappe mir ein Kopftuch. Paul legt die Beine hoch. „Viel Spaß“.

Ich werde kritisch beäugt. Ob ich Muslimin sei, fragt der Türsteher. Ich verneine. Ob ich aus einem muslimischen Land komme, bohrt er weiter. Dem Mann kann geholfen werden, denke ich und außerdem will ich da rein! Ich wickle mein Tuch gekonnt ums Haupt und erkläre ihm: „Ja, aus der Türkei!“ Er ist beeindruckt und lässt mich passieren. „In der Türkei leben Muslime?“ Jetzt bin ich die, die kritisch guckt. „Sicher. Die Türkei ist ein muslimisches Land“.

 

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Ich parke meine Schlappen im Schlappenregal. Im Gebetsraum sind zwei betende Männer. Die Fliesen unter meinen nackten Füßen sind angenehm kühl. Der Innenhof ist klein mit ein paar grünen Pflanzen und einer Waschgelegenheit. „Woher kommen die Muslime in Tacna“, frage ich den Türsteher. „Aus Pakistan und Saudi – Arabien, aber auch aus Tacna selbst“, beeilt er sich hinzuzufügen. Aber das dachte ich mir schon, als ich die beiden Männer mit den franseligen Bärten gesehen hatte. Okay, ich habe meine Bilder, neige mein Haupt mit einem gemurmelten „Allah u akbar“, hüpfe raus in die Freiheit und stopfe das Tuch in die Hosentasche.

 

Versicherung, 2. Teil:

Natürlich sind die Papiere nicht fertig und auch nicht nach weiteren zwei Stunden. Vom Chef ist nichts zu sehen, nur seine Sekretärin ist da. Der Chef ist im Hauptbüro etc. etc. „Kriegen wir nun eine Versicherung oder nicht?“ Ja, doch sicher, aber…. „Wenn er bis 18.00 Uhr nicht hier ist, dann gehen wir – mit oder ohne Versicherung!“ Uns reicht es! Kurz vor 18.00 Uhr gehen wir mit einer jungen Frau hinüber ins Hauptbüro. Da sitzt unser Agent und wartet worauf auch immer. Draußen dämmert es. „Sch…da ist es dunkel, wenn wir aus Tacna raus fahren“, meint Paul. „Genauso habe ich mir das vorgestellt!“ Unsere Unterlagen seien in Arbeit, heißt es. Wir warten. Zwischendurch versucht uns der Agent aus dem Hauptbüro zu schleusen. „Nein, wir warten hier!“ Die Vergitterung am Eingang wird vorgeschoben – unsere Papiere werden immer noch fertiggemacht. „Momentchen, Momentchen“ flötet die Dame am Kassentresen, es fehlen noch zwei Unterschriften.“ Zuerst ist die Rechnung fertig – klar, das konnte nicht anders sein. Wir bezahlen für eine Police, die wir noch nicht haben. Aber sie kommt! 16.00 Uhr war vereinbart und jetzt ist es 18.30 Uhr. Genervt halten wir 4 Bögen bedrucktes Papier in den Händen:

Für 90US$ haben wir eine Haftpflichtversicherung für 3 Monate, die einen Schaden an Dritten bis 20000 US$ (da fehlen keine Nullen!) übernimmt!!!!!! Paul fällt dazu bloß ein Kommentar ein: “Ladrones!“ Gauner!

Schaut mal in euren Haftpflichtpolicen nach, was ihr für euren Jahresbeitrag bekommt und rechnet das hoch! Und da behaupten doch tatsächlich Leute, Haftpflichtversicherungen in Südamerika seien relativ billig! So teuer waren wir jedenfalls noch nie versichert, wenn man schaut, was man dafür bekommt. Unsere Allianzhaftpflicht kostet in Deutschland 202 € im Jahr. (Beitragssatz 45%). Die Versicherungssumme beträgt dafür 100 000 000 € und 8 000 000 € je geschädigte Person. Die Verabschiedung fällt erwartungsgemäß frostig aus. Nichts wie raus hier!!

Wir wissen, wo wir hinwollen – runter ans Meer. Eine Grifo – Tankstelle am Weg kommt uns sehr gelegen und anstatt uns weiter durch die Dunkelheit zu tasten, bleiben wir bei der Tankstelle hinten im Hof. Der junge Mann hat nichts dagegen und der Hund hat sich auch bald wieder beruhigt.

 

 

 

15.02.2011

2011-02-15_1.JPG Hier wächst sogar ein kleiner Orangenbaum

 

„He, warum kommt kein Wasser!“ Paul steckt den Kopf aus dem Bad. „Habe ich gerade abgeschaltet. Die Pumpe hört sich komisch an. Hör mal!“ Ich schalte kurz ein, kein Wasser, obwohl sie pumpt. „Da ist irgendwo ein Schlauch weg – ausschalten!“ Aus dem Fahrradkeller rinnt Wasser aus dem kleinen Abflussloch in der hinteren Ecke. Alles klar, im Keller ist streckenweise Land unter. Im Wasserfach steht es bis kurz unter die Stromdose. Wir sind begeistert! Plane ausbreiten, nasses Zeug in die Sonne legen und Schaden suchen. Wenn nur alles so leicht wäre! Nach der Pumpe hat sich ein Schlauch gelöst, der zum Wasserzähler geht. Vorsichtshalber zieht Paul sämtliche Schlauchverbindungen nach. Alles fest. „Stell dir vor, das wäre während der Fahrt passiert! Da hätten wir nichts gemerkt und der Wassertank wäre leer gewesen und drinnen hätten wir einen Pool gehabt!“ Eigentlich sollten wir während der Fahrt die Wasserpumpe immer ausschalten. Ob wir das schaffen?

Mit Verspätung starten wir Richtung Küste. Der Besitzer der Tankstelle und seine beiden Jungs sind noch auf eine Plauderrunde vorbeigekommen. „Ich bin früher immer mal wieder in Italien gewesen“, erzählt der alte Herr. „Ich habe mit Getreidemühlen gearbeitet und die kamen aus Italien. Das war eine schöne Zeit. Ich habe viel gesehen.“ Seine beiden Söhne unterstützen ihn in den Ferien an der Tankstelle. Wasser können wir nur Zisternenwasser bekommen und das sieht ziemlich trübe aus. Wir verzichten.

 

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Keine Ferienhäuser! Wohnungen für die, die in den Hühnerzuchtanlagen arbeiten.

 

Durch den Oasengürtel von La Yarada erreichen wir kurze Zeit später Boca del Rio, einen kleinen Badeort mit einem netten Ortszentrum und einer Uferpromenade.

Trotz öffentlicher Toiletten und Duschen – kein Wasser, aber das Problem lösen wir morgen.

Viele Plakate verkünden einen Karnevalumzug am Samstag und das Remmidemmi wirft schon seine Schatten voraus – ein riesiger Vergnügungspark ist aufgebaut.

 

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Auf der Suche nach dem idealen Stellplatz testen wir ein lockeren Sand. Warum der Paul da reingefahren ist, weiß nur er. Jedenfalls kommen wir ohne Sandbleche hier nicht mehr raus. Interessiert beäugt, machen wir uns dran den Dicken auszuschippen, um die Sandbleche passgenau unterzuschieben. Dakar lässt grüßen! Ein Amerikaner mit heftiger Bierfahne kommt aus einer Kneipe herüber und meint, wenn wir Material bräuchten, sein Wirt hätte was da liegen.

Paul wühlt im Sand, der Staub fliegt, die Sonne brennt, aber wir kriegen ihn frei, den Dicken. In der Nähe des Basketballplatzes bleiben wir für heute.

Das Bad im Meer ist nichts für Weicheier. Es ist kalt, a…kalt dank Humboldtstrom. Und bei den Brechern geht eh niemand weiter als bis zum Knie rein. Kinder tummeln sich in den kleinen Felsbecken Die vorgelagerten Felsen bremsen die Wellen etwas und es ist witzig in den Becken und Nischen mit steigendem und sinkendem Wasserstand zu plantschen.

 


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