Start der Etappe in Concordia bis zur Ankunft in Peru.
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Reiseabschnitt vom 14.12.2010 bis zum 12.02.2011Start der Etappe in Concordia bis zur Ankunft in Peru.
14.12.2010
Concordia – willkommen im Müll. Der Kulturschock hat stattgefunden. Wir gehen zur Bank: 650 ARS, ca. 120 € dürfen wir pro Vorgang dieses Mal abheben. Jedenfalls mehr als die 300 ARS im Jahr 2008. Dank Bankwechsel ist uns das jetzt egal, denn die Gebühren entfallen, seit uns nicht mehr das „Grüne Band der Sympathie“ mit Gebühren aller Art und schlechten Wechselkursen würgt. Dann fragen wir uns zum Carrefour durch. Großeinkauf tut not. Meine Bikinihose zeigt Alterserscheinungen. Carrefour hat Klamotten und die Bademode hängt auch da. Höschen, ich suche nur ein Höschen Größe 42, schlicht in schwarz. Nicht einfach, aber es gibt welche in dieser Größe. Ab in die Kabine und probieren. Der Höschenschnitt ist reichlich seltsam: Freischwebende A…backen. Sieht knackig aus, wenn man sie hat, aber bei mir macht sich langsam die Erdanziehung bemerkbar, kurz es sieht einfach nur Sch… aus. Dafür sind die Oberteile alles verhüllend. Vielleicht sollte ich das Ganze anders herum probieren – Oberteil über den Hintern, Höschen über den Busen…? Ich werde nicht fündig. Auch schlichte Slips bieten keine Alternative. Das kann heiter werden! Wer ist bloß auf diesem Kontinent für Damenbademode verantwortlich? Paul hat inzwischen den Wagen gefüllt. „Tanken ist überfällig“. Paul nickt. Die Tankstellen entlang der Straße nach Concordia haben wir ausfallen lassen. Wir irren durch Concordia auf der Suche nach Tankstelle und Zubringer zur Ruta 14. Alle warnen vor dieser Straße, wegen den korrupten Polizisten, die es aufs Abzocken angelegt haben und bei den Kontrollen nach den unmöglichsten Gründen suchen, um an ihr Geld zu kommen. Wie gesagt, so erzählt man es sich. Wir verirren uns auf die städtische Müllkippe. Es qualmt und stinkt. Jetzt ist klar, woher die Rauchsäulen stammen, die man drüben auf uruguayischer Seite des Flusses immer gesehen hat. Menschen wühlen im Restmüll, Pferde weiden zwischen Plastiktüten. Auf einem schmalen, geteerten Dammweg finden wir wieder raus. Eine ESSO Tankstelle an der Ausfallstraße zur Ruta 14 versorgt uns zum normalen Preis mit Diesel. Es geht das Gerücht um, dass es an den Tankstellen im Grenzbereich Argentiniens für Ausländer immer noch Sonderpreise gibt. Wir haben den Normalpreis bezahlt. Innerlich gewappnet fahren wir auf der Ruta 14 bis zur ersten Zahlstelle für die Straßengebühr. Es gibt jeweils zwei Tarife und zwar vom PKW bis zum 5-Achser: Ausländer und Einheimische. Sogar bei Straßengebühren sind Argentinier kriminell! Wir löhnen den knappen Euro für Ausländer.
Baustellencamp
Es ist viel Verkehr. Die Rutas 14 und 19 werden ausgebaut. Die Baustellen behindern nicht wirklich. Da, eine Straßenkontrolle auf der 14. Jede Menge Polizei. Einer schaut uns entgegen, Daumen in den Gürtel gehakt, Grinsen im Gesicht und winkt uns durch. 200m weiter biegen wir auf die Ruta 19 ab und sind auf dem Weg nach Parana / Santa Fe. Parken für die Nacht ist nach wie vor nicht ganz so einfach. Irgendwann finden wir eine Piste, die zwischen Viehweiden entlang führt und parken am Weidezaun. In der Ferne braust der Verkehr. 15.12.2010
Pott ebenes Landwirtschaftsland. Zäune rechts und links mit netten, kleinen Ortschaften. Das Thermometer ist auf 36°C geklettert.
Die Hitze wabert über den Äckern, sogar mit Fata Morgana.
In San Salvador gibt es eine Zwischenstopp: „CLAAS Landmaschinen“. Als Ex - Saulgauer müssen wir ein Foto schießen und vom netten Vertriebsleiter natürlich auch. Die Ortschaften, durch die wir fahren sind Versorgungszentren, überschaubar und ruhig. Nach technischen Ersatzteilen lohnt es sich Ausschau zu halten. Die Landwirtschaftsmaschinen und LKWs müssen laufen! Wir haben keinerlei Schwierigkeiten Lämpchen für das Rücklicht und eine H4 Lampe für den Scheinwerfer zu besorgen.
Yatay Palmen als markante Punkte im Monokulturland
Parana – Skyline
Um nach Santa Fe zu gelangen müssen wir in Parana einen 4 km langen Tunnel passieren, der unter dem Rio Parana durchführt.
Vor dem Tunnel die nächste Kontrolle. Sie sind zu Zweit. Der Eine mit Heiligenbildchen der „Virgen von Lujan“ und der andere begutachtet unsere Rundum Glitzerbeklebung. Ja, unser Dicker strahlt wieder! Schließlich ist bald Weihnachten. Der Mann mit den Heiligenbildchen hat ein Problem mit den Schlangen auf unserem Fahrzeug. Sie seien Ausdruck des Bösen, meint er. „Nein“, erwidere ich, „es gibt eine viel ältere Geschichte. Schlangen symbolisieren auch ewiges Leben, weil sie sich immer wieder erneuern. Jedes Jahr streifen sie ihre Haut ab“. Die Geschichte kennt er nicht. Von seinen Bildchen kriegen wir keines, aber fröhliche Weihnachten wünscht er uns. Unser Dicker hat den Glitzertest bestanden und wir dürfen in den Tunnel einrollen. Gebühr: Knapp 3,40€ ohne Sonderpreisregelung.
1969 wurde der Tunnel fertig gestellt. Ein Denkmal und die Bronzebüste des damaligen Governeurs und Initiators erinnern an dieses Ereignis.
Santa Fe – Skyline
Während ich noch mit fotografieren beschäftigt bin und auf dem Denkmal herumklettere, um ein Foto von Santa Fe zu schießen hat Paul ein Erlebnis der anderen Art.
Es tut einen mords Schlag und ein Fiat mit Niederquerschnittsreifen und Alufelgen schlittert über den Asphalt und kommt 100m weiter zum Stehen. Das rechte Hinterrad hat sich verselbständigt und den Fiat überholt. Wir gehen hin und begutachten die Bescherung. Er ist mit diesen Reifen und hoher Geschwindigkeit über einen Lomada gebrettert. Die Felgen haben alle eine riesen Delle und ein Hinterrad hat es abgerissen. So wie die Gewinde in der Achse aussehen, waren die Radbolzen nur wenige Umdrehungen drin. Der Fahrer hatte Glück, dass er sich nicht überschlagen hat. Das Rad findet niemand. Es ist wohl über den Zaun und ab ins Grüne gerollt.
Parana und Santa Fe sind grüne Städte und sehen gepflegt aus.
Sozialer Wohnungsbau
Mag sein, dass es entlang des Flusses Strände gibt, wir haben nicht versucht sie zu finden.
Viehweide an einem Seitenarm des Rio Parana Wir sehen Industrieanlagen am Fluss. Das Wasser des Parana sieht auch nicht gesünder aus als das des Rio Uruguay – wer will darin schon baden?
Breite Überflutungszonen zeigen, wo in der Regenzeit überall Wasser stehen kann. Auch jetzt im Sommer gibt es sumpfige Bereiche und offene Wasserflächen. Danach wird das Land wieder Ackerland mit riesigen Anbauflächen nur unterbrochen von kleinen Gebüsch- und Baumgruppen.
Reisfelder – aber nur das hellgrüne!
Reispflanzungen, große Reismühlen, später dann Baumwolle, gelegentlich gelbe Sonnenblumenfelder und dazwischen immer wieder Viehweiden prägen die Landschaft. Eine SHELL Tankstelle wird unser Nachtquartier: Laut und staubig.
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