Start der Etappe in Bolivien bis zur Ankunft in Brasilien.
Reiseabschnitt vom 05.07.2010 bis zum 28.07.2010Start der Etappe in Bolivien bis zur Ankunft in Brasilien.
05.07.2010
Wir gehen es an! Grenzwechsel nach Bolivien über den Grenzübergang La Quiaca – Villazon. La Quiaca ist eine ganz normale argentinische Stadt. Wir besorgen noch Bremsflüssigkeit. Brav nehmen wir die Umleitung für den Schwerlastverkehr, landen auf der Umgehung und finden die Zollstelle nicht!
Es stimmt immer noch, wir können es nicht fassen: Kein LKW fährt über die Grenze nach Bolivien! Die Waren werden vor der Grenze abgeladen und Huckepack von Cholas über die Grenze getragen! Männer, Frauen und Kinder sind im Einsatz, ameisengleich in nicht enden wollender Kette!
Auf riesigen Plätzen stehen LKWs. Irgendwie ist alles anders. Zuerst haben wir das Fahrzeug bei den Argentiniern abgemeldet, dann auf derselben Hausseite eine Tür weiter Richtung Bolivien das Fahrzeug in Bolivien eingeführt. Erst dann kam die Geschichte mit dem Pass, also dem Visum für uns. Und zwar auf der Rückseite vom selben Haus Ausreise für uns aus Argentinien, dann ins Fahrzeug sitzen, über die Brücke fahren, aber noch auf der Brücke parken und auf der bolivianischen Seite den Visumsstempel für Bolivien holen. Alles klar? Also, ich habe es nicht mehr zusammen gekriegt, Paul war aufmerksamer.
Dämmrig ist es im bolivianischen Büro, als wir unsere persönlichen Daten in eine Art Laufzettel eintragen, der im Pass verbleiben muss, bis wir das Land wieder verlassen. Winzig, winzig ist die Schrift! Wir bekommen für Fahrzeug und uns beide 90 Tage ohne Wenn und Aber – gebührenfrei. Im Büro prangt ein riesiges Plakat, das darauf hinweist, dass kein Beamter befugt ist Geld einzuziehen. „Kampf der Korruption“. Eine Fahrzeugkontrolle fand übrigens nicht statt. Villazon wuselt, man betritt eine andere Welt. Wir sind definitiv in Bolivien angekommen. Viele Geldwechselbüros bieten ihre Dienste an. Wir halten uns links und nehmen wieder mal die Strecke für Schwerlastverkehr, um nicht ins Zentrum zu fahren. „Geld, wir brauchen Geld mein lieber Schatz“, flötet der Chauffeur. Alles klar! Ich mache mich auf die Socken. Im Nachhinein eigentlich ganz einfach. Bevor der Schwerlastverkehr den Berg hinauf geleitet wird, fällt geradeaus ein großes, gelbes Gebäude auf und dahinter ist eine Bank mit einem Geldautomaten unschwer am Polizisten davor zu erkennen. Alles funktioniert wie gehabt. Ich hätte jeden Betrag abheben können, sogar Dollar. Den Wechselkurs hole ich mir beim netten Herrn am Schreibtisch nächste Tür: 1 € sind 8,38 Bolivianos! Warum in der Mitte des Raumes so viele Stühle stehen und einige Leute da sitzen und Fernsehen gucken….? Erster Gehversuch in Bolivien. Von Preisen keinen Schimmer versuche ich es zunächst mal mit einem 1 kg Kartoffeln 3 Bolivianos. Brot sind kleine, runde und flache Brötchen: 3 Stück kosten 1 Boliviano und lecker sind sie außerdem! Fleisch ½ kg 15 Bolivianos. Das sieht nach Kassenerholung aus! „Wie wäre es mit einer genaueren Bolivienkarte“? „Na, ich weiß nicht. Wo willst du die denn herbekommen?“ „Tankstelle?“ Also auf, raus aus der Stadt. Wir folgen den schwarzen Pfeilen auf gelben Grund und kommen fast ohne Probleme raus. Die Tankstelle am Stadtrand offeriert uns den Literpreis für Diesel von 3,78 Bolivianos. Teufel noch mal, da hätten wir billiger getankt als in Argentinien! Das mit einer neuen Straßenkarte war eine Idee – wir nehmen unser Material um zu zeigen was wir wollen. Es gibt keine zu kaufen. Aber Infos über die Straße holen wir uns noch.
Unweit der Straße ein Meeting, eine Zeremonie? Wir sind zu weit weg, um genaueres zu erkennen.
Lasst euch nicht von den ersten Kilometern täuschen! Das ist das am häufigsten gebrauchte Schild unsere Reise nach Potosi: Umleitung. Das reicht von harmlosen Abschnitten bis zum
Lehmgraue Dörfer werden ohne Rücksicht noch grauer – es staubt ohne Ende. Sicht Null, Warnhinweise Null, Absperrungen Null und das Beste: Man weiß nie, wo man ist, denn diese Dörfer scheinen keine Namen zu haben – zumindest nicht für uns, denn es gibt keine Ortsschilder. Unser GPS versorgt uns zwar mit Namen, aber dazu gibt es keine Dörfer. Unsere Straßenkarte, die wir aus Deutschland mitgebracht haben, ist da ehrlicher – sie hat auch keine Ahnung.
Vorsichtig tasten wir uns durch ein Dorf. Mittendrin ein Schattenplatz. Unter dem Dach erkenne ich Frauen mit bunten Plastikschüsseln. Davor ein beladener LKW. „Ein Waschplatz für die Frauen“? mutmaße ich. Paul zuckt mit den Achseln. Langsam überholen wir den LKW. Davor ein irgendwie Weiß aussehender Mann mit großer Kamera im Anschlag. „Welthungerhilfe“ steht auf der LKW Tür. Bolivien ist ein Entwicklungsland und wird von einer ganzen Reihe von Organisationen unterstützt: Welthungerhilfe, USAid, Europäische Gemeinschaft, Deutscher Entwicklungsdienst. Auch das Rote Kreuz aus unterschiedlichen europäischen Ländern leistet bei Gesundheitsprojekten Hilfe. Wir steuern unseren ersten Schlafplatz in Bolivien an. Folgen einer „Desvio“ (Umleitung), rumpeln durch eine Art Kiesgrube, der Pfad wird enger und enger. Ein argentinischer Pickup kommt uns entgegen. Der Fahrer schwingt sich aus dem Auto, winkt wie ein Wilder: “Das Umleitungsschild steht falsch! Hier kommt ihr zu einer Mine! 1,5 Stunden haben wir gerade verloren!“ Jetzt wird mir klar, warum der Junge vorhin so komisch geguckt hat, als wir an dem kleinen Haus vorbeigefahren sind. Etwas mühsam die Wenderei hier, aber Paul und der Dicke kooperieren hervorragend. Also dann Kommando zurück. In Sichtweite des kleinen Hauses parken wir zwischen den Häufen der Erdbewegungen vom Straßenbau.
Eine Familie gräbt und hackt im Abraum. „Sie suchen Mineralien?“ frage ich mal ganz vorsichtig den Mann. Der schüttelt den Kopf: “Gold“. Ich kriege runde Augen. Das Material, das hier rumliegt sieht für mich nicht nach Gold aus. „Okay, stört es sie, wenn wir heute hier parken?“ „Nein, es ist ruhig hier hinten“, meint er und wendet sich wieder seiner Arbeit zu. Mann und Frau, Kind und Kegel sind bei diesem Job eingesetzt.
Auch Straßenbaustellen können schöne Abendbilder bescheren.
06.07.2010
Der ganz normale Wahnsinn Richtung Potosi geht weiter – eine einzige Baustelle. Heute sind die Berge dran. Beim rechten Bild: „Aaaaaaaaaaah!“ vom Fahrer und ich war dann auch hellwach.
Das ist eine Tariftafel für die Wegebenützung. Ihr könnt das nicht lesen? Ist auch nicht nötig, denn die sei ungültig, meint der Typ im Häuschen. In Bolivien gibt es Gebühren für die Benützung der, wie auch immer gearteten Straßen / Wege / Pisten etc. Da es sich um die Hauptverbindung nach Potosi handelt wird an der Strecke kassiert, abschnittweise. Es spielt dabei keine Rolle, dass man sich eigentlich auf einer Baustelle bewegt, aber die neue, im Entstehen begriffene Straße kann man ja schon mal angucken, mal näher, mal weiter und gelegentlich darf man auch ein Stückchen darauf fahren! Die Gebühren errechnen sich aus irgendwelchen Tabellen, die zunächst nicht so ganz durchsichtig sind und ich vermute mal, wir bezahlen zuviel, bekommen von einem Block so was wie einen Beleg, amtlich und durchnummeriert. Stempel drauf, Daten werden erfasst und in ein Fahrtenbuch eingetragen. Wichtig ist, dass man nur „Ida“ bezahlt, also den einfachen Weg!“ Ida“ und „Vuelta“ wäre hin und zurück und damit doppelt so teuer.
Entlang der Piste wird für die neue Straße gearbeitet. In der Umgebung von Tupiza wird mit Hilfe der EU ein Projekt zur Ziegenhaltung und Milchgewinnung unterstützt.
Frauenalltag
Im Reiseführer steht nur wenig über Tupiza, unserm nächsten Ziel. Der Ort lebt von Minen in der Umgebung in denen hauptsächlich Antimon und in letzter Zeit auch Gold gefördert wird. Tupiza war der letzte Aufenthaltsort von Butch Cassidy und Sundance Kid. Die Zwei kamen mit ihrer Bande 1908 nach Tupiza, nachdem sie aus Argentinien geflohen waren. Im November desselben Jahres wollten sie die Monatsgelder des Minenbarons Aramayo rauben. Nach heutigem Wert eine halbe Million US$. Das Ganze ging schief. Der Wachmann schlug Alarm. Am 6. November kam es in der Minenstadt San Vicente zu einem Schusswechsel mit Soldaten, bei dem Beide getötet wurden.
Wir lassen es nicht so heiß angehen. Im Zentrum gibt es eine Markthalle, in der man sich mit frischem Obst und Gemüse versorgen kann. Danach gehen wir für ca. 2,50 € zusammen Essen. Vorspeise, Suppe, Hauptgericht mit Fleisch und etwas Obst zum Nachtisch. Wir sind pappsatt.
Die Schranke öffnet sich. Vorher wurden die Belege der Straßengebühren abgestempelt – also sammeln, nix wegschmeißen! Eigentlich egal, wen ihr fragt, die Leute wissen nicht sehr gut Bescheid. Auch die Information ab Tupiza sei alles Asphalt – denkste Puppe! Baustelle wie gehabt.
Haupttransportmittel für Passagiere? LKW Ladeflächen
Das ist immer noch der aktuelle Hauptverbindungsweg nach Potosi! Sicht nach hinten? Null!
Zur Abwechslung mal wieder durch ein trockenes Flussbett oder auch ein Nasses.
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