Phase3

Mit dem Wohnmobil unterwegs

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Home Reisetagebuch Südamerika 1) Frachterreise

Reiseabschnitt vom 05.07.2008 bis zum 13.08.2008

Start der Etappe am Hamburger Hafen bis zur Ankunft im Hafen von Buenos Aires.

 

24.07.2008

Es wird immer dusterer und dann prasselt ein Tropenregen mit Gewitter nieder. Die Decks stehen sandalentief unter Wasser, das mit den Bewegungen des Schiffs hin- und herschwappt, denn unter der Reling ist ein 5cm hoher Blechrand und an den Rändern sind nur kleine Wasserabläufe im Boden. Ein Großteil des Drecks wird gut aufgeweicht und fließt langsam mit dem Regenwasser ab! Ich wasche Wäsche und dank der Zimmertiefkühltruhe trocknet alles überraschend schnell.

„Ich gehe noch Joggen", sage ich zu Paul. „Oben auf dem Deck ist es jetzt etwas abgetrocknet." Es macht Spaß! Mae dreht noch ihre Runden. Es wird rasch dunkel. Um 20.00 Uhr ist es schon ziemlich finster, aber ich drehe weiter meine Runden und hoffe auf den Regen, der sich in einer dunklen Wolkenwand ankündigt. „Dann eben nicht!" sage ich zu mir und gehe langsam wieder nach unten. Pauls Stuhl steht vor der Kabinentür und kaum habe ich aufgeschlossen und bin drin ist er schon da. „Wo warst du denn?  Ich habe mir Sorgen gemacht! Niemand hat dich mehr gesehen!" „Na, oben beim Joggen!" Entgegne ich und es war dumm von mir, dass mit einem Lachen abzutun! Paul ist sauer und erleichtert. Es ist wirklich nicht ganz ohne in der Dämmerung da oben herumzurennen und so hoch ist die Reling dann doch nicht.

 

25.07.2008

Wir erreichen in den frühen Morgenstunden Freetown in Sierra Leone.

 Unsere Ferngläser sind auf die Pier gerichtet. „Da steht einer mit einem Gewehr!" bemerke ich und schaue weiter, „oder einem Regenschirm!" Alles lacht. Ein Regenschirm!? Viele Regenschirme! Fast jeder hat einen dabei.

Das Team von der Einwanderungs- und Zollbehörde lässt auf sich warten. Ausnahmezustand an Bord! Alles was nach unten geht ist gesichert. „Sagen Sie bitte den Passagieren, dass alle hierher in den Computerraum kommen sollen", bittet mich Alessandro, ein Offizier. Wir planen einen Ausflug in die Stadt. Paul winkt ab. „Ohne mich! Bin unten!" Er geht. Wir warten und spekulieren: Können wir gehen oder nicht? „Mae stupst mich an: Die „Geschenke" für das Amtsteam werden gebracht. „Nicht schlecht!" staune ich. Zigarettenstangen, Alkohol…."Da sind auch Muslime dabei..", bemerke ich. „Ok, kommen Sie bitte alle rein!" Ich lächle und nicke einem dieser Herren zu, der etwas abseits mit weißem Hemd und Krawatte in einem Stuhl hängt. Der verzieht keine Mine. Kalte, starre Augen. Ob ich mir da wohl zuviel herausgenommen habe? „Können wir an Land?" fragt Mae. „Nein", sagt der Kapitän. „Niemand?" „Schade! Warum?" „Geben Sie mir 10 Minuten!" Der große, dicke Beamte komplimentiert uns aus dem Raum. „Je kleiner das Land, umso mehr Papier!" bemerkt jemand. Die 10 Minuten ziehen sich.  Dann: „Bringen Sie für jeden 10 €, dann können Sie alle an Land!" erklärt der große Dicke und seine Begleiter nicken es ab. 10 €? Wir schauen uns an und winken ab. „Ok, 5€ für jeden!" Ah, ich lerne! Der Preis ist also verhandelbar, heißt: Der Dicke möchte trotz „Gastgeschenken" noch was verdienen! „Ich bleibe an Bord und mein Mann ebenfalls", sage ich. „Jon bleibt auch hier" erklärt Mae.

Goh, Samantha, Patrice und Mae bekommen einen Passierschein und verlassen samt „Behörde" den Frachter. Zum Mittagessen sind Jon und ich allein. „Du bist nicht mitgegangen?" fragt er. „Nein, aus Prinzip nicht! Ich füttere keine fetten Männer, die den Hals nicht voll genug kriegen!" Der Kapitän am Nachbartisch lächelt. Ich bedauere jetzt, dass ich es nicht gesagt habe, als die „Behörde" noch da war! „So erkauft man sich das Wohlwollen der Behörden. Ohne geht in vielen Ländern nichts!" bemerkt Jon noch, als Paul zu uns an den Tisch kommt. „Unten alles in Ordnung?" frage ich. Er nickt. „Die Crew hat alles im Griff und ist überall. Von außen ist niemand im Schiff!" „Wann müssen die anderen zurück sein?" „Um 3.00 Uhr!" entgegne ich. „Und wann sind sie gegangen?" „Um etwa 11.00 Uhr. Da bleibt nicht viel Zeit." Es regnet fast den ganzen Morgen mit Unterbrechungen, aber die Kleidung ist auch genauso rasch wieder trocken. Ich sehe einen mageren Hund vor den Hallen nach Futter suchen. Vom Tisch im Speisesaal hole ich Brötchen und füttere ihn. „Besser er, als 5€ für den Fetten!" In Dakar gab es auch keine Hunde, fällt mir auf und hier ist es auch so! Einer!

Mae ist die Erste, die zurück kommt. „Alles in Ordnung?" frage ich. „Wo sind die Anderen?" „Ich habe mich allein auf den Weg gemacht und nachdem der Immigrationsbeamte gemeint hat, ich könnte dem Guide und dem Taxi vertrauen, habe ich mich von den anderen getrennt. Weißt Du, ich wollte in das kleine Museum."  „Und weiter..?" „ Na ja, das fing gleich mit dem Geldwechseln an, der Kurs war nicht in Ordnung und dann haben wir endlos bis zum Museum gebraucht. Die Straßen sind eng und wenn dann noch einer parkt und LKWs Richtung Hafen fahren, kann es schon dauern, bis man weiterkommt. Fast 1,5 Stunden haben wir gebraucht! Ich konnte vom Auto aus gut fotografieren. Das Museum war winzig. Als wir dann wieder am Hafen zurück waren, hat natürlich das Geld für den Guide nicht ganz gereicht, weil das Taxi sich auch nicht an den vereinbarten Preis gehalten hat. Es gab einen kurzen Aufstand. Eine Frau, die mit mir im Taxi unterwegs war kannte den Polizisten, der hinzukam und so konnten wir es regeln. Aber es war kein gutes Gefühl. Ich werde es dem Kapitän noch erzählen, falls es irgendwelche Nachfragen geben sollte." Mae macht sich auf den Weg zum Kapitän. Ich höre den Muezzin rufen.

Paul und ich stehen an Deck. Wir warten auf die anderen und beobachten das Treiben im Hafen, vor allem aber auch den Zugang zur Rampe und damit auf das Schiff.

 „Die Grimaldi Crew scheint alles im Griff zu haben", bemerke ich. Paul nickt. „Es war klug die beiden Männer von der Schiffsagentur in Dakar mitzunehmen. Schau mal, die machen viel Fahr- und komplizierte Lademanöver, während die Crew die Fahrzeuge vors Schiff fährt. So ist niemand von außerhalb an Bord." Immer wieder versuchen Händler auf das Schiff zu gelangen und an der Pier finden erregte Diskussionen statt. „Siehst du den Fetten da auf seinem Stuhl?" frage ich.  „Die ganze Zeit sitzt er schon da und scheint der Ansprechpartner für jeden hier zu sein. Nichts scheint hier ohne seine Genehmigung zu funktionieren. Er braucht sich nicht mal zu erheben, er schickt einen seiner Gefolgsleute los, die dauernd um ihn herumstehen." Auch bei dem Streit der Händler, die an der Pier stehen wird er als Schlichtungsinstanz hinzu gezogen.

Ein schmales, langes Boot nähert sich der Hafenmauer. „Die Fische wären frisch und geeignet fürs Abendessen!" Unser Koch, der unten steht, greift aber nicht zu. Jemand anders erhandelt einen Fisch und schleppt das Riesenteil über den Platz davon. Ein Mann fischt die Reste eines Ankerseils mit Schlinge aus dem Hafenbecken und nimmt es mit. Inzwischen werden Säcke mit Zwiebeln geliefert, leere Ölfässer und unser Müll entladen. Jemand von der Crew tauscht neue Arbeitsschuhe gegen…..da war ich nicht schnell genug! „Da, unsere restlichen Passagiere tauchen auf!" „War toll", meint Goh. „Wir haben viel gesehen und haben sogar unsere Internet Sachen erledigen können. Sie waren alle sehr hilfsbereit." „Wie weit wart ihr in der Stadt?" fragen wir. „Nicht weit." Samantha deutet auf ein hohes Gebäude. „Das Essen war nicht besonders heute Mittag. Wir haben Cola dazu getrunken. See you!" Und weg sind sie. Die restlichen Fahrzeuge werden aus dem Schiff gefahren, gerollt, geschoben. Ein Fahrzeugpark entsteht und, wie es scheint tauchen die ersten Kunden auf. Unsere beiden Helfer aus Dakar stehen an der Rampe und scheinen auf ein Taxi zu warten. Ihr Job ist erledigt.

 


Seite 1 von 6